Nationalsozialismus in der eigenen Familie

 

Die Turbulenzen der Corona-Krise haben gerade in Wien die Neuauflage eines Buches verhindert, das schon druckbereit vorbereitet war.


„Sag Du es Deinem Kinde – Nationalsozialismus in der eigenen Familie“ ist der Titel des Buches, das im Jahre 2015 als eines der 15 schönsten Bücher Österreichs ausgezeichnet worden war.
Friedemann Derschmidt ist der Autor … Filmemacher und Kulturwissenschaftler an der Wiener  „Akademie der bildenden Künste“.
In der Verlagsmitteilung der ersten Auflage 2015 hieß es: „Friedemann Derschmidt beschäftigt sich mit der Frage, wie die nationalsozialistische Ideologie bewusst oder unbewusst über Generationen in den Familien weitergetragen wird und wie weit der “Geist des Vergangenen” nachwirkt. In ironischer Reaktion auf die “rassenhygienischen Vererbungstheorien” seines Urgroßvaters, dem namhaften Eugeniker Univ. Prof. Dr. Heinrich Reichel (Graz, Wien), stellt Derschmidt die Frage nach einer Ideologischen Vererbungslehre. Der Autor versucht unter Einbeziehung aller mitbetroffenen lebenden Verwandten, Möglichkeiten zu finden und Methoden zu schaffen, mit den problematischen politischen Verstrickungen der eigenen Familie vor, im und nach dem Nationalsozialismus umzugehen.“
In der Begründung der Jury, die das Buch 2015 auszeichnete, hieß es u.a.:
„Nationalsozialisten waren in einer typischen österreichischen Familie nicht die „Anderen“, sondern in der Regel Teil davon. Friedemann Derschmidt geht am Beispiel seiner eigenen Familie der Frage nach, welche Vorzeichen an Weltanschauungen schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts für die spätere Begeisterung am Nazi-Regime erkennbar waren und welche Aspekte davon sich bis in die Gegenwart nachverfolgen lassen. Dem Buch gelingt es durch eine äußerst konsequente, übersichtliche und informative Gestaltung, formale Klischees von damals wie heute auf neue und ungewohnte Weise zu brechen und so Interesse für ein wichtiges Thema zu wecken, von dem man glauben könnte, man habe schon genug gehört. … Das Buch will nicht „schön“ sein, aber es öffnet einen Raum zwischen Vergangenheit und gegenwärtiger Betrachtungsweise, der es erlaubt, sich auf das Thema intensiv einzulassen“.
Friedemann Derschmidt erhielt nun vom Verlag die Nachricht, dass das Risiko einer zweiten Auflage zu groß ist – er kümmert sich deshalb persönlich darum, dass die Startauflage von 250 Exemplaren erreicht wird. Dazu schrieb er uns:
„Die erste Auflage 2015 war in etwas mehr als einem Jahr komplett ausverkauft. Seither bin ich sehr oft gefragt worden, wie man noch zu einer Ausgabe kommen könne und ich habe immer an den Verlag verwiesen.
Vor einem Jahr haben wir uns dann auf einen überarbeiteten Neudruck geeinigt und ich habe das Buch überarbeitet und erweitert. In die neue Ausgabe habe ich auch Reaktionen von Leserinnen und Lesern auf die erste Ausgabe eingearbeitet sowie weitere Texte von mir aus meiner aktuellen Arbeit zu den Themen Konzentrationslager Gunskirchen und zur medizinischen Forschung im militärischen Kontext am Vorabend des ersten Weltkrieges, an der mein Urgroßvater Dr. Heinrich Reichel beteiligt gewesen ist. Auch gibt es einen neuen Text des in New York lebenden israelischen Musikers und Psychotherapeuten Tal Gur, der sich in seinem Projekt MindCrossing gemeinsam mit der israelischen Tänzerin Jasmin Avissar mit der trans-generationellen inneren Systemik seiner mütterlichen Familie auseinandersetzt, wo beide Großeltern Überlebende von Konzentrationslagern waren. Und dann kam Corona und der Verlag hat mir mitgeteilt, dass man nicht mehr für den Druck aufkommen könne, weil das finanzielle Risiko zu groß sei.
Wir sind jetzt überein gekommen, das Buch in dem Moment zu drucken wo es mir gelingt, 250 Vorbestellungen dafür zustande zu bringen. Das Buch wird also zur Subskription angeboten und damit auch zu einem vergünstigten Preis von € 25,-. Nach Erscheinen des Buches gilt dann der kalkulierte Ladenpreis.
Das Buch soll und ich bin sicher wird (sobald das gelungen ist) im Herbst diesen Jahres erscheinen.“
Wer sich über Friedemann Derschmidt informieren möchte, kann dies auf der >>> Webseite der „Akademie der bildenden Künste“ und >>> seiner eigenen Seite tun:
Zum Reinhören: Eine Sendung des Österreichischen Rundfunks Ö1 über dieses Buch

Wir möchten Friedemann Derschmidt dabei unterstützen, die Startauflage von 250 Exemplaren zu erreichen. Bestellungen an ihn direkt. Seine Mailadresse lautet:
f.derschmidt@akbild.ac.at